Monitoring

Monitoring bestätigt einzigartige Vielfalt in den March-Auen

Im Rahmen des Life-Projektes werden in den kommenden Jahren ambitionierte Renaturierungsmaßnahmen und Artenschutzprojekte umgesetzt, die eine Verbesserung der Qualität der Lebensräume für Tiere und Pflanzen bringen sollen. Um den Erfolg der Maßnahmen garantieren und auch belegen zu können, wird ein begleitendes Monitoring in unterschiedlichen Themenbereichen durchgeführt. Dabei wird in einem ersten Schritt, noch vor den Planungen bzw. Umsetzungen der Maßnahmen, der Ist-Zustand von Flora und Fauna wissenschaftlich dokumentiert, um dann in den Folgejahren jeweils die Veränderungen nachvollziehen zu können. Nun liegen die ersten Ergebnisse der Ist-Zustands-Erhebungen vor, die zwar einmal mehr das große Potential der March-Auen als einzigartigen Fließgewässer-Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen bestätigen aber auch auf den großen Handlungsbedarf in einigen Bereichen hinweisen.

Trockenes Jahr 2012

Das Jahr 2012 war für die March-Thaya-Auen ein ausgesprochen niederschlagsarmes, was über das Jahr gesehen zu einem unterdurchschnittlich tiefen Wasserstand in den Flüssen führte. Viele Augewässer und Sutten konnten damit nicht mit Wasser versorgt werden und trockneten unüblich früh aus.

Beliebter Rast- und Brutplatz für Vögel

Dennoch bestätigten auch in diesem Jahr die Vogelzählungen im Frühjahr die Bedeutung dieser Flusslandschaft als Rastplatz während des Frühlingsdurchzuges sowie als Brutplatz zahlreicher Vogelarten. So konnten insgesamt über 60 Vogelarten nachgewiesen werden. Darunter 22 Arten an Wat-, Wasser- und Schreitvögel mit insgesamt über 25.000 Individuen. Die Überraschung dieser Zählung waren die großen Bestände rastender Gänse und Enten, vor allem Blässgans (Anser albifrons), Pfeifente (Anas penelope) und Schnatterente (Anas strepera), der mit zusammen fast 19.000 Individuen den bisher höchsten Bestand für dieses Gebiet erreichte. Arten wie der Kiebitz (Vanellus vanellus) fanden aufgrund der Trockenheit jedoch weniger Brutplätze. Als bemerkenswert darf der Nachweis der Moorente (Aythya nyroca) eingestuft werden.

Fische: viele Arten, wenige Individuen

Wie groß der Handlungsbedarf im Bereich des Flusses selbst ist zeigten die im Herbst durchgeführten Befischungen am Unterlauf der March. So konnten zwar erfreulicherweise 28 der 43 Arten des Fischartenleitbildes, sowie 7 neobiotische Arten nachgewiesen werden, einige für den Flusstyp charakteristische Arten fehlen jedoch entweder (z.B. Zingel, Zingel zingel ) oder konnten nur als Einzelindividuen (z.B. Schrätzer,Gymnocephalus schraetzer) erfasst werden. Auch bei den übrigen Arten sind die Anzahl der Individuen und die Biomasse-Werte als sehr gering einzustufen. Grund dafür dürfte auch in den Regulierungsmaßnahmen und der Verbauung der Marchufer liegen, da hierdurch Brutmöglichkeiten und Lebensräume für Jungfische fehlen. Durch gezielte Maßnahmen wie Wiederanbindung von Nebenarmen und Entfernung von Uferverbauungen sollen durch das Projekt genau solche Lebensräume wieder geschaffen werden.

Ein Hotspot für seltene Pflanzen

Auch floristisch sind die Marchauen durch den Einfluss des kontinentalen Klimas aber auch durch ihre sehr unterschiedlichen Standortbedingungen ein wahrer Hotspot. Auf kleinstem Raum finden sich hier sehr wertvolle Lebensräume wie lange Zeit eingestaute Senken („Sutten“), sandig-trockene Wiesenrücken („Parzen“) bis hin zu Salzstandorten. Besonders die Übergangsbereiche zwischen Land und Wasser stellen sehr wertvolle Lebensräume mit seltenen Pflanzen, wie etwa dem Schlammling (Limosella aquatica) dar. Aber auch Brenndolden (Cnidium dubium)-Auwiesen oder Trockenrasenstandorte bieten äußerst seltenen Pflanzen wie z.B. Glanzblättrige Waldrebe (Clematis integrifolia), Hügel-Nelke (Dianthus collinus). Das diesjährige Monitoring konnte eine Reihe dieser wichtigen, auch durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützten Lebensräume bestätigen.

Welche wesentlichen Fragestellungen deckt das Monitoring-Programm des Projektes ab?

Im Zuge des Projektes sind umfangreiche Monitoringtätigkeiten geplant. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Themenbereiche.

Nr. Frage Monitoring
1 Entstehen durch die wasserbaulichen Maßnahmen naturnähere, dem natürlichen Flusstyp entsprechende Flussabschnitte?

Parameter: z. B. Strukturausstattung, Hemerobie der Vegetation
Morphologie, Biotoptypen, Neophyten
2 Können durch die wasserbaulichen Maßnahmen Verbesserungen im Hinblick auf die Artenzusammensetzung und Reproduktion der Leitarten und die FFH-Zielarten der Fischfauna erzielt werden?

Parameter: FFH-Zielarten, Zeigerarten
Fische
3 Können durch die wasserbaulichen Maßnahmen Verbesserungen im Hinblick auf die Habitat- und Artenzusammensetzung erzielt werden.

Parameter: FFH-Lebensraumtypen, FFH-Zielarten, Indikatorarten?
Vögel, Amphibien, Biotoptypen, Neophyten
4 Kommt es durch die angestrebte Vernetzung von Fluss und Aue tatsächlich zu Verbesserungen in der Habitatausstattung und im Grad der Wasserversorgung der Au?

Parameter: FFH-Zielarten, Zeigerarten, Morphologie
Biotoptypen, Wasserpflanzen, Amphibien, Vögel, Morphologie
5 Sind die getroffenen wasserbaulichen Maßnahmen ausreichend, um die vorgesehenen ökologischen Verbesserung auch langfristig sicherzustellen?

Parameter: Dynamik?
Morphologie
6 Erhöht sich durch die Ganzjahresbeweidung die Vielfalt an Nischen/Habitaten, insbesondere für gefährdete Zielarten? Können die Arten der Brenndoldenwiesen unter dem Einfluss der Ganzjahresbeweidung erhalten bleiben? Wie verändern die Weidetiere die Waldzusammensetzung und bleiben die gewünschten Wald-funktionen unter dem Einfluss der Weidetiere gewährleistet? Wie verändert sich die Verbreitung von Neophyten unter dem Weideeinfluss?

Parameter: Vegetationsstruktur, Pflanzendiversität, Vegetationsdynamik, Zeigerarten
Vegetation (Verbiss), Vögel Pflanzenarten, Heuschrecken, Neophyten
7 Können die Arten der Brenndoldenwiesen unter dem Einfluss der Ganzjahresbeweidung erhalten bleiben? Vegetation
8 Können Neophyten durch die manuelle Entfernung dauerhaft an der Ausbreitung in einem Gebiet gehindert werden? Neophyten
9 Gibt es Unterschiede in der Artenzusammensetzung zwischen Waldflächen mit und ohne Neophyten? Wenn ja, verändert sich die Artenzusammensetzung wieder, wenn die Neophyten entfernt werden? Neophyten, Biotoptypen
10 Kann der Brutbestand von gefährdeten Greif- und Schreitvögeln durch Nisthilfen gestützt werden? Vögel
11 Sind die Weidetiere gesund und zeigt ihr Verhalten ihr Wohlbefinden an? Verhalten
12 Zeigt die Ganzjahresbeweidung bzw. die Einzäunung der Weidefläche einen Einfluss auf das Verhalten des Wildes? Wildwechsel

Downloads

Bericht zur Frühjahrsvogelzählung 2012
Zwischenbericht des Fisch-Monitorings 2012
Zwischenbericht des Biotoptypen-Monitorings 2012
Zwischenbericht Brutvögel Maritz 2012
Übersichtskarte Biotoptypen 2012 (Teil Nord)
Übersichtskarte Biotoptypen 2012 (Teil Süd)
Amphibien-Monitoring Kurzbericht 2013
Ergebnisse der Brutvogelerhebungen in den Projektgebieten entlang der Inselstrecke, März 2014
Maritz-System ─ Kartierung Makrophyten, Biotoptypen, Morphologie, Juli 2014
Flussseeschwalbe: Wiederansiedlung und Bestandsentwicklung, 2014
Spezifische Artenschutzmaßnahmen: Europäische Sumpfschildkröte, 2014
Pferdeweide Marchegg, Jahresbericht 2017
Bestandsbergung und Monitoring der Najaden, März 2018

Bilder

Abb. 1: Die Moorente (Aythya nyroca) ist in den Marchauen meist nur Nahrungsgast. Sie zählt zu den gefährdeten Entenarten in Mitteleuropa und Brutbelege sind sehr selten. Als Lebensraum bevorzugt sie seichte Gewässer oder langsam fließende Flüsse mit einer ausgedehnten Verlandungs- bzw. Uferzone. (Quelle: commons.wikimedia.org)

Abb. 2: Der Kiebitz (Vanellus vanellus) bevorzugt als Bodenbrüter offenes, flaches Land, besonders Wiesen, Weiden und Überschwemmungsland. Seine Bestände sind vor allem durch die Mechanisierung der Landwirtschaft, zu frühe Mahd, Pestizideinsatz und fehlende Überschwemmungen zurückgegangen. (Quelle: commons.wikimedia.org)

Abb. 3: Der ca. 30 cm große und vorwiegend nachtaktive Zingel (Zingel zingel) war ursprünglich in der Donau und ihren größeren Zubringern weit verbreitet. Durch die Regulierung der Flüsse ist diese Art aber stark zurückgegangen, da z.B. überströmte Schotterbänke als Laichhabitate weitgehend fehlen. Den March-Auen kommt aufgrund der endemischen Verbreitung für die Erhaltung dieser Art eine besondere Bedeutung zu.(Quelle: commons.wikimedia.org)

Abb. 4: Die Glanzblättrige Waldrebe (Clematis integrifolia) ist charakteristisch für die wechselfeuchten bis wechseltrockenen Brenndolden-Wiesen in den March-Auen. Dieser Wiesentyp, der geprägt ist durch die Wechselwirkung von Überschwemmung und Austrocknung, ist nach der FFH-Richtlinie geschützt und deren Erhaltung bzw. Ausweitung ist ein wichtiges Ziel des Life-Projekts. (Foto: Gerhard Egger)

Abb. 5: Die Hügelnelke (Dianthus collinus) hat in den March-Thaya-Auen ihr einziges Vorkommen und gilt in Österreich als vom Aussterben bedroht. Sie bevorzugt wechselfeuchte bis trockene, warme Standorte. (Foto: Michael Stelzhammer)